Rheinaue im Februar
Die eisige Kälte zu Beginn des Monats Februar hat den Boden, die Gräben und Tümpel sowie die am Rheinufer verbliebenen Wasserflächen steinhart gefrieren lassen. Der zudem frostig beißende Wind veranlasst viele Tiere, sich in schützende Unterstände zurückzuziehen Öfter als sonst müssen sich unsere Singvögel nun zum Wärmen aufplustern. Ihre im lichten Geäst deutlich sichtbaren Nester wirken verwaist, und es wird sicher noch etliche Wochen dauern, bis sie von ihren Besitzern neu hergerichtet wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.
Aus den Wiesen und Freiflächen scheint alles Leben verbannt zu sein. Selbst der sonst so standorttreue Weißstorch ist - der unwirtlichen Witterung wegen - wohl entflohen. Nur ein einzelner Graureiher hält im Gelände einsam und eisern die Wacht.
Mögen Tierbeobachtungen hier auf der Landseite jetzt auch Mangelware sein, die Wasserflächen zu den Rheininseln hin bieten dafür in diesen Tagen umso mehr davon. Die kalte aber niederschlagsfreie Schönwetterperiode hat den Rheinpegel Bingen in der ersten Februarwoche kontinuierlich auf den Stand von 180 cm am heutigen 7.2.2012 sinken lassen. Trotz des strengen Frostes hat sich noch kaum Randeis gebildet. Dazu wölbt sich über allem ein strahlend blauer Himmel, der den Sonnenschein die Szenerie ungehindert beleuchten lässt. In ihm leuchtet strahlend das Weiß der männlichen Vertreter der Reiher-, der Schellenten und der Gänsesäger. Alle diese Arten lassen sich leicht durch ihre speziellen Kennzeichen unterscheiden. Trägt der Reiherentenerpel einen nicht zu übersehbaren dunklen Federschopf am Hinterkopf, so ziert die männliche Schellente ein weithin leuchtender weißer Fleck zwischen Auge und Schnabelansatz.
Der Gänsesäger-Mann dagegen ist sowohl etwas größer als die beiden Vorgenannten, sein Weiß zeigt auf der Unterseite einen leicht lachsrosa Anflug, sein Kopf ist schwarz-grün gefärbt und mündet in den unverkennbar langen, an der Spitze gekrümmten Fischfängerschnabel. Das Federkleid der dazugehörigen Damenwelt ist jedoch viel unauffälliger gefärbt. Es erscheint in Dunkelbraun, Seidengrau und Rostrot . Schneeweiß ziehen Höckerschwäne wie immer ihre Bahn.
Blesshühner, Haubentaucher und Stockenten am diesseitigen Ufer, große Ansammlungen von Kormoranen, Fischreihern und Graugänsen an den Ufersäumen der gegenüberliegenden Rheininseln vervollständigen das zur Beobachtung stehende Angebot – und so ist ein Besuch der Rheinaue auch bei nicht ganz so einladenden Temperaturen für jeden Naturliebhaber doch immer auch eine Empfehlung.